Dankbarkeit verbindet #3 Was macht Dankbarkeit mit Menschen?

Ein fremder Mensch benötigt ganz spontan Hilfe und schnell ist eine helfende Hand vor Ort und packt mit an. Die Hilfe kommt vielleicht unerwartet und löst besonders viel Dankbarkeit aus. Aber warum ist das so? Was macht das „Danke“ mit dem Menschen? Und lässt sich Dankbarkeit vielleicht sogar einüben?

Wie dankbar ein Mensch ist, kann davon abhängen, was er vom Nächsten erwartet. Wenn jemand mehr tut als erwartet, kann die Freude besonders groß sein. Wird diese Hilfe mit der Zeit vertraut und vorhersehbar, erscheint sie schnell als selbstverständlich [1].

Dankbarkeit verbindet

Ein „Danke“ kann auch beim Gegenüber etwas auslösen. Menschen, die Dankbarkeit erfahren, können positive Emotionen empfinden und die dankbare Person als näher oder sympathischer wahrnehmen [3]. Im Idealfall wird die Verbundenheit zum Nächsten gestärkt [2]. In einer Partnerschaft kann Dankbarkeit sogar einen Kreislauf in Gang setzen, in dem sich Wertschätzung und gegenseitige Unterstützung verstärken [4].

Dankbarkeit kann Menschen verbinden, wenn das, was der Nächste tut, gesehen und wertgeschätzt wird. Das ist ein Anlass, die Hilfe eines anderen ganz bewusst anzunehmen und dafür dankbar zu sein.

Lässt sich Dankbarkeit üben?

Dankbarkeit kann nicht nur im Miteinander entstehen, sondern auch ganz bewusst für sich selbst eingeübt werden. Ein bekanntes Mittel sind Dankbarkeitstagebücher, in die man regelmäßig einträgt, wofür man dankbar ist. Auch Dankbarkeitsbriefe oder andere Übungen kommen in psychologischen Interventionen zum Einsatz.

Studien zeigen, dass solche Übungen mit positiven Veränderungen verbunden sein können. Dabei scheint es allerdings nicht darauf anzukommen, möglichst viele Dinge aufzuschreiben. In einer Studie zeigte sich, dass nicht die Länge der Liste entscheidend war, sondern vielmehr, worauf sich die Dankbarkeit richtete, etwa auf enge Beziehungen oder die eigene Gesundheit [5].

Es geht also offenbar nicht darum, möglichst viele Punkte aufzulisten, für die man dankbar ist. Manchmal reichen drei: beispielsweise die Familie, ein Mensch, der für einen da ist, oder die Gemeinschaft in der Kirchengemeinde.

Wenn Dankbarkeit schwerfällt

Dankbarkeit lässt sich üben. Aber nicht jeder Mensch hat zu jeder Zeit die Ressourcen und Kraft dafür. Stress, Krankheit, Verlust, die Pflege eines Angehörigen oder finanzielle Sorgen können Beispiele für Herausforderungen sein, die viel Aufmerksamkeit fordern und für anderes kaum Raum lassen [6].

Menschen unterscheiden sich darin, wie sie ihre Umwelt emotional wahrnehmen. Wer häufiger Sorgen und negative Gefühle erlebt, empfindet tendenziell auch weniger Dankbarkeit [7].

All diese Faktoren können dazu beitragen, dass einem Menschen Dankbarkeit leichter oder schwerer fällt. Das kann auch die Sicht auf sich selbst verändern. Was macht es mir gerade schwer, das Gute in meinem Leben als Geschenk wahrzunehmen? 

Erlebtes neu betrachten

Manchmal kann auch ein Perspektivwechsel helfen, Erlebtes neu wahrzunehmen und darin etwas zu entdecken, wofür man dankbar sein kann. Schon die Emmaus-Jünger erfuhren, wie ein anderer Blick auf ein Geschehen dessen Bedeutung verändern kann. Sie hatten gehofft, dass Jesus Israel erlösen werde, und verstanden seinen Tod zunächst als Ende dieser Hoffnung. Jesus sprach mit ihnen über das Geschehene und eröffnete ihnen ausgehend von der Schrift einen anderen Blick darauf. Später erkannten sie ihn beim Brechen des Brotes und verstanden auch das zuvor Geschehene neu (vgl. Lukas 24,13–35).

Manchmal verändert sich also nicht das Erlebte selbst, sondern die Perspektive darauf.

Dankbarkeit und ein neuer Blick

Ein neuer Blick auf Erlebtes kann Dankbarkeit auslösen und umgekehrt kann Dankbarkeit wiederum den Blick auf das lenken, was einen Menschen trägt.

Im christlichen Verständnis richtet sich Dankbarkeit nicht nur auf Dinge, die ein Mensch besitzt, oder auf Menschen, die ihm Gutes tun. Erntedank verweist auf den Geber, auf Gott, den Schöpfer und Ursprung dessen, wofür Dank empfunden wird. Der Erntedanktag bietet eine gute Gelegenheit, innezuhalten und sich der vermeintlich selbstverständlichen Gaben Gottes bewusst zu werden. 

Wem sind wir dankbar? Was folgt aus Dankbarkeit? Diesen Fragen widmen sich die letzten beiden Teile der Reihe.

Dankbarkeit verbindet #1 Wofür sind Menschen dankbar?

Dankbarkeit verbindet #2 Wie zeigt sich Dankbarkeit im Alltag?

 

Wissenschaftliche Quellen (Die Quellen dienen als Einblick in das Forschungsfeld)

[1] Ding, K. et al. (2025). The expectation-updating mechanism in gratitude. Emotion, 25, 198–209. DOI: 10.1037/emo0001421

[2] Imai, T. (2024). Why do we feel close to a person who expresses gratitude? PsyCh Journal, 13, 79–89. DOI: 10.1002/pchj.682

[3] Li, H. et al. (2025). The power of thanks. The Journal of Positive Psychology. DOI: 10.1080/17439760.2025.2561677

[4] O’Brien, E. R. & Forest, A. L. (2025). Appreciated and motivated. Personality and Social Psychology Bulletin. DOI: 10.1177/01461672251360832

[5] Purol, M. F. & Chopik, W. J. (2025). List length, list content, and gratitude list intervention outcomes. Social Psychological and Personality Science, 16, 457–468. DOI: 10.1177/19485506241232717

[6] Shields, G. S. et al. (2024). Acute stress influences the emotional foundations of executive control. Psychoneuroendocrinology, 162, 106942. DOI: 10.1016/j.psyneuen.2023.106942

[7] Szcześniak, M. et al. (2020). Big Five personality traits and gratitude. Psychology Research and Behavior Management, 13, 977–988. DOI: 10.2147/PRBM.S268643

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