Neuapostolische Kirche ist Vollmitglied der ACK in Deutschland

Die Neuapostolische Kirche ist seit heute Vollmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Dazu war gemäß ACK-Satzung die Zustimmung aller 20 stimmberechtigten Mitgliedskirchen erforderlich. Den Antrag auf Vollmitgliedschaft hatte die Neuapostolische Kirche im vergangenen Jahr gestellt. Die offizielle Aufnahme wird im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert: am Mittwoch, 16. September 2026, um 20 Uhr in der Neuapostolischen Kirche Berlin Prenzlauer Berg.

„Ich freue mich sehr, dass alle Mitgliedskirchen der ACK der Aufnahme der Neuapostolischen Kirche als Vollmitglied zugestimmt haben“, äußert sich Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, in der Pressemitteilung der ACK. „Damit ist einerseits der Höhepunkt des von der Neuapostolischen Kirche vor vielen Jahren eingeschlagenen eigenen ökumenischen Weges erreicht. Gleichzeitig setzen wir den gemeinsamen ökumenischen Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen in einer noch größeren und gestärkten Gemeinschaft fort.“

„Nach der bisherigen Gastmitgliedschaft ist dies ein bedeutender Schritt, für den wir sehr dankbar sind. Im Namen unserer Kirche danke ich den Mitgliedskirchen der ACK für das Vertrauen, das sie uns mit ihrer Zustimmung entgegengebracht haben“, sagt Ökumene-Referent Apostel Arne Herrmann, der erst
im Januar 2026 die Vertretung im nationalen und internationalen Kontext übernommen hat. Sein Stellvertreter ist Bischof Matthias Grauer aus Süddeutschland.

Mitwirkung in Nord- und Ostdeutschland

Die Neuapostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland ist – auch dank der überregionalen Ökumene-Arbeit der Apostel i.R. Jörg Steinbrenner, Ralph Wittich und Rolf Wosnitzka – in fast allen Bundesländern Vollmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Auch lokal sind die meisten Gemeinden als Gast- oder Vollmitglied im ACK vertreten. Zum Teil waren die neuapostolischen Gemeinden sogar Gründungsmitglieder.

Wo im Umland einzelner Gemeinden keine ACK-Strukturen bestehen, engagieren sich viele Kirchenmitglieder individuell in der Ökumene oder ihre Gemeinde pflegt herzliche und kooperierende Nachbarschaft zu anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Konkret bedeutet das: Man hilft sich gegenseitig, feiert Andachten, lädt zu Konzerten ein, engagiert sich gemeinsam im Ort oder Stadtviertel und feiert gemeinsam Feste. Gegenseitig nimmt man Anteil an dem, was die Gemeinden beschäftigt, entdeckt Gemeinsamkeiten und betrachtet mit Neugier die unterschiedlichen Traditionen – getreu dem Leitmotiv der Ökumene: „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“.

Bei mehreren Gelegenheiten stellten die neuapostolischen Gemeinden auch ihre Kirchengebäude für Gottesdienste und Veranstaltungen anderer Konfessionen zur Verfügung, wenn beispielsweise deren Kirchengebäude renoviert wurde. Auch neuapostolische Gemeinden waren aus dem gleichen Anlass zeitweise bereits in evangelischen oder katholischen Kirchen zu Gast.

Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung

Der damalige Stammapostel Richard Fehr hatte Ende der 1990er Jahre einen doppelten Prozess angestoßen: Die Kirche suchte nicht nur das Gespräch mit anderen Kirchen, sondern begann auch damit, ihre Lehraussagen kritisch zu prüfen. Heraus kam 2012 ein Katechismus, in dem erstmals die neuapostolische Glaubenslehre fundiert beschrieben wurde. Das dort beschriebene Kirchenverständnis macht deutlich, dass sich auch die Neuapostolische Kirche den Glaubensbekenntnissen der alten Kirche verpflichtet fühlt, also hauptsächlich dem Apostolikum und dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel.

Großen Verdienst an der Entwicklung hatte auch die um Apostel i.R. Volker Kühnle und Bischof i.R. Peter Johanning tätige Arbeitsgruppe „Kontakte zu Konfessionen und Religionen“ (vormals Projektgruppe Ökumene). Sie führte viele Jahre im Auftrag der internationalen Kirchenleitung Gespräche mit anderen Konfessionen. Diese Begegnungen haben dazu geführt, dass vorhandene Vorurteile abgebaut wurden und gegenseitiges Vertrauen gewachsen ist und die Neuapostolische Kirche beispielsweise seit vielen Jahren selbstverständlich mit eigener Präsenz beim Ökumenischen Kirchentag, Evangelischen Kirchentag und dem Katholikentag vertreten ist.

ACK und NAK: Zahlen und Fakten

Die ACK
wurde 1948 von fünf Kirchen gegründet. Mit der Neuapostolischen Kirche gehören ihr nun 21 Kirchen an, weitere vier Kirchen sind Gastmitglieder und fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Schwerpunkte der Arbeit der ACK sind die theologische Reflexion, das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sowie das gemeinsame Gebet und der Kontakt zu anderen ökumenischen Organisationen. Mitglieder, Gastmitglieder und Beobachter entsenden Delegierte in die Mitgliederversammlung, die zweimal im Jahr zusammenkommt.

Im Jahr 2006 wurde Memmingen (Süddeutschland) als erste neuapostolische Gemeinde Gastmitglied einer örtlichen ACK. Seit April 2019 gehörte die Neuapostolische Kirche der ACK in Deutschland als Gastmitglied an.

Die Neuapostolische Kirche ist sich ihrer Aufgabe in der ACK und grundsätzlich innerhalb der Christenheit bewusst. Sie versteht sich als Teil der Kirche Christi, in der Gläubige durch das gemeinsame Band der Taufe mit Jesus Christus dem Haupt der Kirche verbunden sind. In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft möchte sich die Neuapostolische Kirche zudem am interkonfessionellen Dialog aller christlichen Kirchen beteiligen, um gemeinsam christliche Werte und Ziele zu verfolgen und das gegenseitige Verständnis von Lehre und gottesdienstlicher Praxis zu vertiefen.

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