Bundesweite Ökumenische FriedensDekade 2021

Ludwigslust (cme). Das Motto „Reichweite Frieden“ stand im Mittelpunkt der diesjährigen Ökumenische FriedensDekade. Beim bundesweit zentralen Gottesdienst am Mittwoch (17. November) in Ludwigslust verwies Pastorin Christine Oberlin in ihrer Predigt darauf, dass es „den Frieden nicht gibt“. Vielmehr habe er viele Gesichter, Farben und Formen. Zugleich betonte die Gemeindepastorin der Evangelisch-reformierten Kirche in Mecklenburg-Bützow: „Frieden geht nicht ohne Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.“ Auch die Neuapostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland beteiligte sich an der Gestaltung des Gottesdienstes.

In der Stadtkirche Ludwigslust wurde der zentrale Gottesdienst zur FriedensDekade gefeiert. Foto: elkm-Pressearchiv ©

In der Stadtkirche Ludwigslust wurde der zentrale Gottesdienst zur FriedensDekade gefeiert. Foto: elkm-Pressearchiv

Die Bittstunde für den Frieden in der Ludwigsluster Stadtkirche wurde durch Vertreter*innen verschiedener Kirchen – evangelisch, katholisch, evangelisch-reformiert, neuapostolisch und orthodox – gestaltet. Mit den Fragen – Was heißt „Reichweite Frieden?“ Frieden in Reichweite? – lud Predigerin Christine Oberlin die Gottesdienstbesucher zum Nachdenken über das Motto der FriedensDekade ein. Die Theologin sprach von einer schönen Vorstellung: „Ich strecke nur den Arm aus, mache ihn lang und reiche an den Frieden heran, berühre ihn sogar – ich könnte es, alles ist schon da, alles ist vorhanden – es ist nur eine Bewegung in die richtige Richtung.“ Frieden in Reichweite – Reichweite Frieden sei die Vision, der Traum. Das Ziel ist, dass „Frieden alle erreicht. Oder alle haben den Frieden erreicht“.

Doch mit dieser wunderbaren Vision habe sie zugleich die Nachrichten unserer Tage mit ihrer beklemmenden Sprache und bedrückenden Bildern im Kopf. „Wird der Weltklimagipfel die der Situation angemessenen Ergebnisse bringen? Wie gehen wir weltweit mit der Pandemie um? Was geschieht mit den vielen Flüchtenden?, erinnerte Christine Oberlin, die zu 50 Prozent auch als NDR-Radiopastorin tätig ist, an aktuelle Probleme auf der Welt. Mit Blick darauf wünschte sie, „unendliche Möglichkeiten, den Frieden zu suchen und zu finden“.

Weiße Taube: Symbol für Frieden, Neubeginn und Gottes Geist

Ein wunderbares Symbol für Frieden, Neubeginn und Gottes Geist nannte die Predigerin die weiße Taube, die auch auf dem Plakat der Ökumenischen FriedensDekade neben einer Weltkugel im blauen Weltall zu sehen sei. „Die weiße Taube ist klein und kommt dadurch überall hin. Sie wird überall erkannt als Mahnerin zum Frieden. Über Meere und Kontinente. Sie fliegt und bildet ein Netzwerk – auch gegen dunkle Netze, wie beispielsweise dem Darknet, in dem Verbrecher sexualisierte Gewalt an Kindern verbreiten oder mit Drogen und Waffen dealen“, sagte die Theologin in ihrer Predigt und ergänzte: „Die Friedenstaube ist stärker, die Frieden suchenden Gedanken beherrschen das weltweite Netz.“

Vor diesem Hintergrund rief Christine Oberlin dazu auf, diesen Traum nicht aufzugeben und daran festzuhalten, darum zu bitten, allein oder gemeinsam...so wie Jesus es mit dem Vater unser-Gebet gelehrt habe. Gebete gegen alle Unbarmherzigkeiten und bösen Mächte dieser Welt sollte daher vertraut werden. Denn nach den Worten des bekannten Schweizer Theologen Karl Barth sei das Gebet „des Menschen faktischer, realer Anteil an Gottes Weltherrschaft“.

Gebet für Gerechtigkeit und gegen Rassismus

In den Fürbitten des Gottesdienstes wurde beispielsweise dafür gebetet, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft ernsthaft an Ideen für eine gerechte Verteilung von Wohlstand arbeiten und um gute Lösungen ringen. Oder dass, sich unsere Ohren öffnen, das wir als weiße Menschen hinhören wo Bemerkungen und Wortwahl verletzten, wo alltäglicher Rassismus wirkt. Gedacht wurde ebenso an die Geretteten, die in ständiger Sorge um ihre Angehörigen sind und für diejenigen Menschen gebetet, die sich versteckt halten und nicht wissen, wohin. „Wir haben alles vor Gott gebracht, was uns bewegt, was uns eine Last ist, wo wir auf ihn hoffen“, so Julika Koch, Referentin für Friedensbildung in der evangelischen Nordkirche.

Friede Christi: Qualitätsmerkmal und Zeichen der Ermutigung

Ob der in den Kirchen verheißene Frieden weltfremd und letztendlich ein Fremdkörper in der Welt sei, wie wir sie in unserem Alltag erfahren aber auch in den Medien wahrnehmen, hinterfragte Dr. Marina Kiroudi von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK Deutschland) in ihrem Grußwort. Sie verwies auf eine Lesart in mehreren deutschen Bibelübersetzungen, die eine interessante Nuance aufzeigten: „Ja, meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann.“ Hier zeigt sich für Dr. Marina Kiroudi, dass „der Friede Christi ein Qualitätsmerkmal ist, nicht ein Fremdkörper, sondern ein Mehrwert. Er übersteigt die Grenzen unserer Welt, in der unsere eigene Begrenztheit und Ohnmacht zu Tage tritt.“ Es sei ein Zeichen der Ermutigung, gerade in Anbetracht von Leid und Ungerechtigkeit, den Weg des Friedens mit allen Menschen guten Willens weiterzugehen und Frieden zu stiften.

Kollekte für internationales Schülerprojekt der KZ-Gedenkstätte Wöbbelin

Diesen Wunsch unterstrich ebenso der Präsident der Stadtvertretung Ludwigslust, Helmut Schapper, in seinen Grußworten. Er erinnerte an 1989, dem Jahr in dem die Macht des Gebetes zur Macht einer friedlichen Revolution wurde. „Bis heute einmalig in der Welt. Wir hatten auch Friedensträume. Das Überwinden von Hochrüstung, eine friedlichere Welt durch Abrüstung, wenigstens in Europa und mussten doch erfahren, dass es mit dem friedlichen Abzug der Besatzungsstreitkräfte im Osten der Republik nicht getan war. Ringsherum auf der Walt brodelte es weiter.“

Der Kommunalpolitiker freute sich, dass die Kollekte des Gottesdienstes für die Jugendbildungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Wöbbelin bestimmt ist. Konkret geht um ein Schülerprojekt von Schüler*innen des Goethe Gymnasiums Ludwigslust und des Savornin-Lohman-Gymnaisums in Hilversum (Niederlande). Die Schüler forschen noch bis Mai 2022 zu niederländischen Opfern des KZ Wöbbelin, speziell zu fünf Opfern aus Hilversum.

Lange Tradition, um Frieden zu beten und darüber nachzudenken

„Zehn Tage am Ende des Kirchenjahres für den Frieden zu beten, über die Wege zum Frieden nachzudenken und Denkanstöße für die Gesellschaft zu geben – das ist bereits seit 40 Jahren das Anliegen der Ökumenischen FriedensDekade“, erinnerte Priester Dirk Oertel von der neuapostolischen Gemeinde Ludwigslust. Im Jahr 1980 sei diese von engagierten Christen ins Leben gerufen worden, um für eine Umkehr zum Frieden zu werben und zu zeigen, wie militärische und kriegerische Gewalt Schritt für Schritt überwunden werden kann.

In ganz Deutschland wurde vom 7. bis zum 17. November unter dem Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ zu Veranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Andachten und Gottesdiensten anlässlich der FriedensDekade eingeladen. Raphaela Hellwig von der Katholischen Kirchengemeinde Ludwigslust sagte dazu: Die zehn Tage sollen jährlich einen Beitrag zur Vertiefung des christlichen Friedenszeugnisses leisten und zur friedenspolitischen Willensbildung in Kirchen, Gemeinden und Gesellschaft beitragen.

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“  Micha 4.3

Mehr Informationen unter: www.friedensdekade.de